Studienfahrt der Klassen 9 und 11

FlaggeD

Berlin, 05.05. - 08.05.2014

Nach der ersten Nacht auf unseren Zimmern im St. Michaels Heim sind wir alle mehr oder weniger munter in den Tag gestartet. Da der vorherige Tag noch nicht so anstrengend war, fiel das Aufstehen auch noch nicht allzu schwer.

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Erster Tagesordnungspunkt war um 10.00 Uhr die Besichtigung des Bundestages.
Wir sind alle ohne Probleme durch die Sicherheitskontrolle gekommen, nur Movsar wurde freundlich gebeten, sicherheitshalber noch den Inhalt seines Rucksacks zu zeigen. Natürlich wurde er ganz zufällig und ohne jegliche Vorurteile ausgesucht, ist klar!

Nachdem wir schon am Vortag recht viel Pech hatten, schien unser Glück weiterhin irgendwo auf der Strecke zwischen Erfurt und Berlin hängen geblieben zu sein. Die gläserne Kuppel des Bundestages durften wir leider nicht besichtigen, da sie für irgendeine Veranstaltung gebucht und für unsere harmlose und eigentlich doch liebenswürdige Gruppe gesperrt wurde.
Tja na ja, nachdem uns dieser bedauernswerter Missstand wiederholt von der Dame in Erinnerung gerufen wurde, die uns in ihrem Vortrag einige interessante Dinge über das Gebäude, die Sitzordnung im Sitzungssaal und den Bundesadler (die 'fette Henne'), erzählte, konnten wir uns wenigstens drüber hinweg trösten, dass der Himmel mittlerweile sowieso bedeckt und die Sicht wahrscheinlich eh nicht so weit gewesen wäre.

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Hier könnt ihr sehen, wie schlau wir in Deutschlands Parlamentgebäude aussehen:

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Durch den ausbleibenden Kuppelbesuch haben wir enorm viel Zeit gespart. Diese nutzten wir, um das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Tiergarten nahe dem Reichstag zu besuchen. Die Gedenkstätte ist noch sehr neu und meiner Meinung nach ein würdiger Ort, um den Opfern des „Dritten Reichs“ zu gedenken.

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Der Schriftzug „Eingefallenes Gesicht / erloschene Augen / kalte Lippen / Stille / ein zerrissenes Herz / ohne Atem / ohne Worte / keine Tränen“ um das schwarze Wasserbecken regt zum Nachdenken an und Informationstafeln geben Auskunft über das Leben der Volksgruppe.

Nach unserer Mittagspause stand unser zweiter großer Tagesordnungspunkt an, die Besichtigung des Bundeskanzleramts.

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Wie Ihr sehen könnt, war der Dienstag sehr politisch geprägt.
Auch hier brauchten wir ein wenig Zeit, bis Alle die Sicherheitsvorkehrungen passiert hatten. Diese nutzten wir, um die Autos der Politiker zu beobachten. Leider haben wir kein bekanntes Gesicht hinter den getönten Scheiben erkennen können.

Im Inneren des Gebäudes angekommen, begann unsere Führung. Unser Guide war sehr freundlich, nur leider mussten wir auch diesmal Abstriche machen. Da gerade eine Pressekonferenz im Haus stattfand und Staatsbesuch aus Zypern anwesend war, konnten wir nicht alle Räume besichtigen.

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Der Plenarsaal und der Bankettsaal wurden uns trotzdem nicht vorenthalten.
Im Plenarsaal war sogar schon der Tisch zum Kaffeetrinken mit dem Besuch gedeckt, leider haben die Tassen für unsere große Gruppe nicht gereicht, weshalb wir später noch mal zu Starbucks oder einem Dunkin-Donut-Store gegangen sind.

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Im Bankettsaal erfuhren wir einiges über die Sitzordnung am Tisch, die Geschichte und die Wandgemälde.

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Den blauen Hintergrund bei den Pressekonferenzen in 'Real-Life' zu sehen, war für die Politikbegeisterten unter uns auch ein kleines Highlight.

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Das im Foto rechte Pult ist das der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Links daneben steht ein zweites Pult für den gerade anwesenden Gast. Bei ausländischem Besuch werden natürlich die jeweiligen Landesflaggen aufgestellt.

Zum Schluss gab es noch ein Foto auf der Terrasse, die zur vorgesehenen Wohnung der Bundeskanzlerin führt. Aber keine Angst, da Frau Merkel es vorzieht, in ihrer Privatwohnung zu leben, haben wir sie auch nicht beim Mittagsschlaf (oder so) gestört.

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Mein persönlich wichtigstes Erlebnis war dann der Besuch des Jüdischen Museums.
Dieses Museum stellt nicht nur die Leidenswege der Juden im Deutschland des 20.Jh. dar. Es erzählt von der deutsch-jüdischen Geschichte, die in 2000 Jahren entstand.

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Die Architektur des Gebäudes, die vom Architekten Daniel Liebeskind geschaffen wurde, steht auf verschiedenen Weisen immer im Zusammenhang mit der Geschichte. Das macht das Museum lebendig. Man liest sich nicht stundenlang ellenlange Texte durch, sondern erfährt schon anhand der Gebäudeform viel über die Gefühle und das Leben der Menschen.
Sehr interessant fand ich zum Beispiel die drei Wege, die die Juden zu Zeiten des Nationalsozialismus gehen
konnten:

Da gibt es die Achse des Exils, die zum Garten des Exils führt. Auch können die Besucher die Achse des Holocausts beschreiten. Der Holocaustturm am Ende dieser Achse war für mich der beeindruckendste Raum der Ausstellung. Die meterhohen Wände des kühlen und fast lichtlosen Raums lassen einen klein und verloren fühlen. Vielleicht haben sich so auch die deportierten Juden gefühlt.

Die dritte Achse ist die Achse der Kontinuität. Sie verbindet die anderen Wege und führt nach einem langen und etwas beschwerlichen Aufstieg zu einer Treppe, an deren Ende die Dauerausstellung mit warmem Licht und neuen Zeitaltern lockt.

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Das Museum ist sehr empfehlenswert. Ich würde jedem Besucher raten, eine Führung mitzumachen. Man erfährt so viele interessante Hintergrundfakten über das Gebäude und die deutsch-jüdische Geschichte. Gleichzeitig wird zum intensiven Nachdenken über die Vergangenheit und die Zukunft angeregt.

Nach dem Museumsbesuch hatten wir wieder bis zur Bettruhe in der Jugendherberge Freizeit. Meiner Meinung nach kann man eine so vielfältige Stadt, wie Berlin, am besten im kleinen Kreis erkunden. So nutzten wir die freie Zeit, um den vielleicht besten Pizzaladen der Stadt zu testen, durch Geschäfte zu stöbern, die es in Erfurt nicht gibt und den Tag ausklingen zu lassen.

Auch wenn der Abend etwas chaotisch war, weil wir eine relativ große Gruppe waren und die Gruppentickets nicht zur Anzahl der Leute passen wollte, kamen wir letztendlich doch geschlossen in unsere Unterkunft zurück und konnten uns schon auf den nächsten Tag freuen.

Anne Droste
04.07.2014