Das leidvolle Lied vom ewigen Glück

Die Vorbereitungen für das Theaterstück „Das leidvolle Lied vom ewigen Glück“ reichen weit über die Zeit der Theaterwoche hinaus. Eher wurde es unser vierteljährliches Projekt in 11/2, welches den „leidvollen“ und „ewigen“ Lehrplan zum „Glück“ der Schüler erweiterte.
Angefangen hatte alles Mitte Frühling 2009, als unsere Stammkursleiterin Frau Ellinger uns, dem Deutschgrundkurs 010, mitteilte, dass das traditionelle Theaterprojekt Ende des Schuljahres für die 11. Klassen anstehe und wir uns daran beteiligen könnten. Der Großteil der Klasse zeigte sich begeistert und diejenigen, die etwas dagegen hatten, wurden einfach auch mit eingegliedert.
Nun kam es aber zu der einzig wahren Frage: „ Was sollen wir spielen?“ . Es wurden interessante Vorschläge wie das allseits bekannte Drama „Romeo und Julia“ von Shakespeare gemacht, aber auch jüngst verfilmte Werke wie „Das Parfum“ von Patrick Süskind wurden aufgegriffen.
Letztendlich schaffte es jedoch keines dieser Stücke jener renommierter Autoren sich gegen den zeitlosen Titel „Das leidvolle Lied vom ewigen Glück“ durchzusetzen. Nur hatte noch nie jemand bis auf ein Schüler unseres Kurses davon gehört, noch nicht einmal Frau Ellinger wusste etwas mit dem Namen anzufangen.
Es war nämlich so, dass eben dieser Schüler Autor, Regisseur und Produzent dieses Stücks war. Sein Name ist Robert Stein.

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In seinem Werk greift er die Gier der Menschen nach Glück auf, welche ein kleiner Engel namens Engelbert stillen möchte. Dazu begibt sich Engelbert auf die Erde und trifft die gnadenlos mit Klischees behafteten Figuren einer talentierten Straßenmusikantin, Hans im Glück, einer missmutigen Süßwarenfabrikantin, eines rußigen Schornsteinfegers; eines reichen, eingebildeten Geldsacks, einer sexy Prostituierten und eines im Elend glücklichen Penners. Für diese aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten stammenden Personen hat Engelbert versucht die sehnlichsten Wünsche zu erfüllen. Doch zu guter Letzt siegt wieder die menschliche Dummheit und der Engel wird dafür verantwortlich gemacht, alle ins Unglück gestürzt zu haben. Letztendlich muss sich Engelbert seine Niederlage gegen die „menschliche Blindheit“ eingestehen, auch wenn ihnen „das Glück zum Greifen nah“ war.

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Große Begeisterung darüber, ein wirklich einzigartiges und bis dato unbekanntes Drama aufführen zu können spornte uns alle natürlich an. Als das Drehbuch gelesen und einige Textstellen zensiert waren, konnte mit dem Einstudieren begonnen werden.
Am 8. August begann dann offiziell das Theaterprojekt für die 11er und es ging in die heiße Phase. Es musste noch so viel vorbereitet, besorgt, gebastelt und vor allem einstudiert werden, sodass ich mich heute noch frage, wo die ersten vier Tage der fünftägigen Woche hin waren.

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Unser bewertetes Vorspielen am Freitag den 12. August 2009 verlief eigentlich katastrophal und wurde nur noch durch unsere Generalprobe am darauf folgenden Donnerstagnachmittag, den 18.August, übertroffen. Jedem war der Stress der letzten zwei Wochen anzusehen. Die Probe, bei der alles stehen sollte, war ein Desaster: Texte wurden vergessen, Auftritte vermasselt und mit der zeitlichen Abstimmung des Auf- und Zuziehen des Vorhangs klappte es auch noch nicht. Und in einer halben  Stunde sollte es schon losgehen...
Die Zeit verrann wie auf Engelsflügeln, Minuten kamen uns wie Sekunden vor und schon füllte sich die Aula mit einem großem Publikum. Alle waren natürlich gespannt: wir, da wir nicht wussten, ob jetzt alles klappen würde und das Publikum auf das, was wir zu bieten hatten.

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Der Raum wurde abgedunkelt, jeder saß nun auf seinem Platz, das Scheinwerferlicht geht an und wirft den Kegel auf zwei Engel, komplett in weiß, auch die Haare...
Eine Stunde später klatschte das Publikum betörenden Beifall. Wir hatten es geschafft! Die Figuren des Stücks waren am Ende zwar keinen Deut glücklicher, aber wir als Darsteller schon, da doch noch alles gut gegangen war. Und so endete das Stück mit dem Satz:

 „Einen ewig glücklichen Menschen - so etwas gibt es nur im Märchen.“

Enrico Reitberger
Trauerrose

In Gedenken
an
Clemens Hofmann,

durch den "Hans im Glück" an neuer Bedeutung gewann

27.07.2012