Stellungnahme der Schule

Erfurt, den 05.02.2026


Die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle an unserer Schule erschüttern uns zutiefst. Unser Mitgefühl gilt den betroffenen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien. Wir bedauern ausdrücklich, was geschehen ist und übernehmen die volle, sich für uns als Institution ergebende Verantwortung. Es gilt, aus dieser Verantwortung alle erforderlichen Schritte abzuleiten, die die vollständige Aufarbeitung des Vergangenen und eine echte Veränderung in der Zukunft ermöglichen.

Der Frage, die viele bewegt – Wie konnte das passieren? –, stellen auch wir uns. Sie ist zentral für die unbedingte Aufklärung, die auf unseren Wunsch für ein umfängliches, transparentes und objektives Ergebnis auch mit externer Unterstützung erfolgt. Juristisch geht es um die konsequente Bestrafung der Täter, von denen wir uns ausdrücklich distanzieren. Wir als Schule richten den Blick nach innen und überprüfen Strukturen, Abläufe und Verantwortlichkeiten kritisch. Unser Ziel ist eine tiefgreifende Neuausrichtung, die zu einem offenen und transparenten Umgang innerhalb der gesamten Schulgemeinschaft führt, damit Missbrauch auf jeglicher Ebene nicht wieder geschehen kann.

Die bereits in Gang gesetzte Aufarbeitung verlangt von der Schulgemeinschaft eine immense Anstrengung, die von dem Wunsch getragen wird, bald spürbare Veränderungen wahrzunehmen. Vor dem Hintergrund beobachten wir die aktuelle Berichterstattung mit großer Sorge. Neben vielen zutreffenden und wichtigen Informationen erleben wir auch pauschale Verurteilungen, Stigmatisierungen und Generalisierungen, die der Realität an unserer Schule nicht gerecht werden. Sie greifen zu kurz und lassen sowohl die Komplexität des Geschehens als auch das verantwortungsvolle Handeln vieler Menschen außer Acht, die hier täglich umsichtig arbeiten, lernen und unterstützen.

Unsere Schule besteht aus vielen Akteurinnen und Akteuren: engagierten Kolleginnen und Kollegen, unterstützenden Eltern sowie Schülerinnen und Schülern, die Anspruch auf Schutz, Vertrauen, Fairness, eine motivierende Arbeitsatmosphäre und eine Zukunftsperspektive haben. Diese Differenzierung ist notwendig, um Aufarbeitung und Veränderung überhaupt möglich zu machen. Für einen echten Neuanfang braucht es neben der rechtlichen Aufklärung auch Raum, Vertrauen und die Chance, Veränderungsprozesse wirksam umzusetzen. Vor diesem Hintergrund bitten wir insbesondere die Medien und externe Unterstützer, einen differenzierten Blick einzunehmen und von jenen Anfragen oder Berichterstattungen abzusehen, die zu Verunsicherung und Überforderung bei den Kindern führen, die einen großen Teil ihres Alltags in unserer Schule verbringen. Der Schutz der Kinder muss für alle Beteiligten im Mittelpunkt stehen.

Wir stehen zu unserer Verantwortung und werden alles daransetzen, verlorenes Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn Aufarbeitung nicht durch Vorverurteilung überlagert wird, sondern durch einen sachlichen, respektvollen, differenzierten und reflektierten Umgang begleitet wird.

Das Kollegium des Königin-Luise-Gymnasiums Erfurt

05.02.2026